Papperlapappmaché

Retrospektive

Eine Nachricht aus einem anderen Leben,
mit nem ziemlich guten Beat in ihrem Umschlag kleben.
Ja, die Menschen kommen und gehen, ja, die Zeit bleibt niemals stehen,
ja, die nächsten kommen schon, ich seh schon ihre Fahnen wehen.
Doch was ist dann mit den Jahren, den vielen vielen Jahren?
Sind sie für immer weg, hält sie ein roter Faden?
Kann man die Endlosschleife zum x-ten mal ertragen,
wie sie sich hier so oft zeigt, in diesen Tagen?
Lass mal nicht lamentieren über den Verlust der Zeit,
auch nicht darüber, dass uns das alles langweilt.
Lass uns die blaue Stunde nutzen, denn nur sie ist wirklich mein,
lass uns die grauen Tage stutzen, ihre Farben befreien.
Denn jeder Moment gebiert mir Milliarden,
wie Kometen im August nach ihrer Wahrheit fragen.
Und wenn sie kurz davor sind mir alles zu sagen,
mir das Leid ihrer langen dunklen Reise zu klagen,
können sie die Kohlendioxidpartikel nicht ertragen
und verglühen an ihrer Wucht ohne Lebwohl zu sagen.

Lass es nicht zu, selber innen kalt zu sein,
wer soll den Frost sonst vertreiben, wenn wir hart sind wie Stein?
Und berufen wir uns nicht auf gestern und jeden morgen
lassen wir uns nicht verführen von Traurigkeit und Sorgen,
sondern wir tragen weiter, was wir begonnen haben,
es wird schon reichen für die Liebe und nen halbwegs vollen Magen.

Eine Nachricht aus so viel besserer Zeit,
im Rückblick betrachtet ner wirklich heilen Welt,
ein Leben wie’s den allermeisten Menschen gefällt,
eines, das im Nachhinein die Würdigung erhält.
Doch dann kam der Bruch, die Krise, 180Grad,
ein Kampf mit dir selbst, es fühlt sich an als sei’s Verrat.
Und du glaubst diese Scheiße könnte niemals enden,
das Schicksal ihre Schikanen nur gegen dich verwenden.
Und du glaubst, du hast irgendwo die Abzweigung verpasst,
ganz allein in einem Wald, ohne Schutz, ohne Rast,
ganz allein in einem Ozean aus Finsternis,
aufgewacht aus 1000 Jahren und jetzt ist nichts mehr gewiss.
Lass dir sagen, in 1000 Jahren, so perfekt war das nicht.
Es ist die Retrospektive, die uns alle besticht.
Und all die kleinen Dinge fallen schwer ins Gewicht.
Und übrigens, ein bisschen Sonne steht dir gut im Gesicht.

Dio Cane

Schau, schau, wie er kriecht, im Schlamm vor sich hin siecht.
Er hat kein Gesicht, dieser giftige Wicht.
Strukturloses Wesen, ich fress einen Besen,
wenn der etwas schafft, der Welt etwas vermacht.
Nein, er wird nur vegetieren, wird sich seiner selbst genieren,
wird Dreck fressen, Dreck machen, Dreck sein.
Er wir vornehm verrecken, sich hinter Alibis verstecken,
er wird eingehen in die endlose Apathie.
Und er durchbricht sie nie, nein, er erträgt sie wie
ein Papagei der aus dem Ei hinausschlüpft in Sklaverei,
ohne einmal seine Flügel weit auszubreiten
und durch die Wipfel der Bäume zu gleiten.
In seinen Schnabellöchern nur den Dunst des Orinoco,
anstatt Chemie und Schoko.
Doch soweit kommt es nicht, denn die Realität besticht
die Träume, die wir nachts bereisen, mit Wegen, die sie uns verheißen.
Er ist, was er ist und er bleibt, was er ist,
wenn er brav bleibt und nur das, was sie ihm geben, frisst.

Der Hund der Götter kotzte mich nachts stumm in die Welt,
die euch nur für ihre Traurigkeit gefällt,
die ihr nur für ihre Schönheiten hasst,
wegen eurer Übermacht hab ich mir heut ein Herz gefasst.

Schau, schau, wie er schreit, wie er kundtut sein Leid.
Scheinbar hat er’s gerafft, er hat keine Macht.
Es ist ihm bewusst, er ist beherrscht und durchdrungen.
Er ist seit Anbeginn der Zeit dem System einverleibt.
Doch er weiß es jetzt und er spürt es drücken.
Tief in ihm beginnen sich die Teile zu verrücken.
„Ich bin geboren frei, doch muss ich schuften für nichts.
Ich trag die Welt auf meinen Schultern, sie das Gold im Gesicht.“

Schau, schau, wie er steht, nicht mehr im Kreise sich dreht.
Er kann, was er kann, weil er’s gelernt hat, schon lang.
Verdeckt und als Schläfer wacht er auf und wird zum Jäger.
Er wird nicht lange fragen, er wird es einfach wagen.
Er wird sich als Banner von den höchsten Türmen rollen:
„Leute hört zu, ich muss tun, was sie nicht wollen,
ihre Konferenzen mit Scheiße bombardieren,
mit Kampfjets aus Papier, Napalm aus schlechtem Bier!
Ich muss versuchen einen Hebel zu finden,
auch wenn er darin besteht, mich mit ihnen zu verbinden.
Ich muss versuchen sie von innen aufzulösen,
sie an ihrer allerschwächsten Stelle zu entblößen.
Ich muss ihr falsches Bewusstsein zersetzen,
ihre Logik widerlegen, ihre Normen ersetzen,
ihnen als Prophet in den Träumen erscheinen,
ihr ewiges Ja ganz entschieden verneinen.
Ich will die Lähmung sein, in ihrem Wadenbein,
das bleierne Quadrat in ihrem rosaroten Hamsterrad.“

Ballade

Eine kleine Ballade klingt noch in meinen Ohren,
während mich zwei Taxifahrer beinahe überfahren.
Sie hupen und sie schreien, ich soll doch zur Hölle gehen.
Ich sag zurück, es tut mir leid, ich hab euch übersehen.
Ich bin zu sehr beschäftigt, einfach hier rum zu stehn,
denn diese Stadt ist übermächtig, ein Ameisenhaus,
ein Termitenbau und ich bin der Eindringling,
der sich beim Fluchtversuch erst recht darin verhing.
So steh ich jetzt und suche meine kreative Ader.
Aus der soll frisches Blut in meinen trockenen Kadaver.
Dann würd ich um ihn eine Seifenblase ziehen,
mich in die Lüfte begeben, dem Chaos zu entschweben.
Doch weil das nicht geht sitz ich weiter hier und reim,
seh den Ameisen zu und denk mir insgeheim:
Kann doch nicht sein, ich bin schlichtweg verloren.
Im Paradies verstorben, in der nuklearen Wüste neu geboren.
Hier wimmelt es vor Zombies mit Hightechgeschwüren statt Händen,
mit Objektiven in den Höhlen, wo sich die Augen befänden.
Und ich frage mich, ich frage mich, wie kann ich sie bekämpfen,
ihre Expansion eindämmen und die Dynamik dämpfen?
Am besten klau ich ihre virtuellen Existenzen.
War doch eh schon jeder bei Vollmond am Strand auf Acid abdancen.
Nichts besonderes Machu Pichu erstiegen zu haben,
in der Pampa mit den Gauchos auf den Gäulen zu traben.
Um mich damit zu schmücken, mich vor allen Trends zu bücken.
Bei allem irgendwie dabei zu sein, in alles irgendwie die Nase rein.

Es heißt, der einzige Weg führt durch die Institutionen,
also werd ich jetzt eben auch einer von euch Drohnen,
die Reduktion meines Subjekts zum Arbeitstier vollziehen,
Mangel, der mit entsteht, durch Konsumption kompensieren.
Ich werde lernen mich anzupassen und nach den Regeln spielen
und mich an der Bienenuni immatrikulieren.
Ich werde Fachmann für Insektenstaatskunde und Wabenwesen,
auf der Karriereautobahn ordentlich Gas geben.
Doch da kommt der Kommissar und er stellt mir ein Bein
und er redet auf mich ein, wie ein fieses Bullenschwein:
„Junger Mann haben sie überhaupt nen Führerschein?“
Und er schüttet über mich seinen Spott und Hohn:
„Willkommen in der Welt der Erwachsenen, mein Sohn!
Mit deinen guten Eigenschaften kommt man hier nicht hin.
Denn ja du hast gesehen, es geht nicht um einen Sinn,
sondern darum fette Ärsche zu küssen, sich wichtig machen zu müssen,
keine Fragen servieren, die irgendwie transzendieren,
sondern schwitzige Hände drücken und sich nach oben ficken!“

Dachsland

Gestrandet auf dem Kriegsplaneten und erst mal werd ich bleiben,
doch was er mir zu bieten hat muss sich erst noch zeigen.
Vielleicht gibt’s ja was zu holen, liegt ein Schatz versteckt im Boden,
werd ich ihn noch heut Nacht heben, graben bis Erdplatten beben.
Ich kann nicht länger warten, auch in deinem schönen Garten
wird in kurzer Nacht eine Mondlandschaft gemacht.
Denn seh ich all die friedlichen, idyllischen Grünflächen,
dann fließt das Adrenalin in Bächen.
Und ich greif zur Spitzhacke und Schulter meinen Spaten
und werd bei Nacht und Nebel in das Hochmoor hinauswaten.
Was werd ich dort finden, alte Panzer und Granaten,
Moorleichen, Silbermünzen, Knochen verschollener Soldaten?

Das was ich suche ist aus anderem Erz,
die einzige Heilung für einen tief sitzenden Schmerz.
Es heißt, man muss bei Neumond in das Glitzern sehen
und nur so kann der Schwermut vergehen.

Das Erz, eine Legierung aus den edelsten Metallen,
hör daran und das Rauschen wird verhallen,
riech daran, durch deine Lungenflügel wird Lavendel wehen,
leck daran und dir wird an nichts mehr fehlen.
Dort draußen in dem Schilf zwischen Skeletten toter Linden
wird etwas neu geboren und etwas wird verschwinden.

Doch was genau kann ich nicht sagen, vielleicht zeigt sich’s erst in Jahren,
vielleicht wird’s niemals erwachen, gar keinen Mucks mehr machen.
Doch wofür war sie dann gut, diese Metamorphose,
die lange Suche nach dem Schatz in der Nebelsumpfsoße,
der steinige Weg, der Drahtseilakt, der Ausbruch aus dem Kerkertrakt?
Dieser tief sitzende Schmerz bricht mir noch heut’ das Herz.
Vielleicht waren die Fundstücke aus der tiefen, tiefen Zeche
nur eine Sammlung völlig wertloser Bleche.
Also zieh ich wieder hinaus bei Donnergrollen und Wetterleuchten
und spür, wie Nebelschwaden meine Handflächen befeuchten.
Der Mond tritt hervor und beleuchtet diese Stelle,
ich hacke hinein und schon trifft mich die Welle.
Unbekannte Farben verstellen mir die Sicht.
Nein, sowas hab ich noch nicht gesehen, an sowas glaub ich eigentlich nicht.
Ein Dachs kommt hervor und sagt mir schamlos ins Gesicht:
„Ich bin dein Schatz, ich bin dein Erz, ich bin dein jüngstes Gericht.“

Etwas wird neu geboren und etwas wird verschwinden,
doch nicht völlig, nicht für immer, es ist nur schwer zu finden,
wird gerinnen, von innen, seine Wahrheit wird erblinden,
in einem Speicher in Kisten ein Außenseiterdasein fristen.
Bist du zu oft mit ihm geflogen, mit dem Dachs auf den Wogen,
dann gibt es kein zurück und ohne ihn kein Glück.
Und was wird erst passieren, lässt auch er dich sitzen,
nirgendwo im Weltall zwischen Mars und Sonne schwitzen
und dir ist der Weltraumtreibstoff leider ausgegangen
und der Rückweg auf die Erde durch die Milchstraße verhangen?
Du bist goldrichtig, Junge, ich mache keine Scherze.
In der Kruste von Pluto lagern ungeahnte Erze.
Rette dich dort hin, verliere keine Zeit, grab durch tote Erde in des Planeten Vergangenheit.
Der Vorrat muss lang halten, nimm was man tragen kann,
im Sonnenwind mit Lichtgeschwindigkeit trittst du den Rückweg an.

Flaschenpost

Sieben Wochen her, dass wir den Hafen verließen,
Leinen los, um die Ferne zu erschließen,
alte Abenteuer in unsern Köpfen,
fern der Enge aus dem Vollen zu schöpfen.
Wir sind noch jung, uns gehört die Welt,
also haben wir einen Plan aufgestellt.
Es war eine Flucht, doch sollte Feldzug sein
und genau deswegen luden wir auch Waffen ein.
Wie weinende Gesichter in einem Tränenmeer vergehen,
konnten wir vom Masttop immer kleiner werdend sehen.
Bald ein leerer Horizont und nur noch Schornsteine,
zwischen Himmel und Ozean kleine rauchende Keile.
Wir waren hier nie zuhause, immer ein bisschen die Feinde.
Ihr seid uns jetzt los und wir die Langeweile.
Wir waren nie eingeweiht in diesen Plan.
In diesem Lachen waren wir der faule Zahn.
Wir sind nur konsequent und in Gedanken längst schon weg,
wir gehen sie jetzt suchen, das ist der Reise Zweck.

Fünf Wochen her, dass wir die Kanaren passierten
und die ersten Seeungeheuer besiegten.
Sie sahen fremd aus, hatten Flügel statt Flossen,
mit denen sie giftige Substanzen vergossen.
Mit unseren Harpunen haben wir sie erschossen.
Ihr schwammiges Fleisch haben wir trotzdem genossen.
Doch seit diesem Tag hat sich die Stimmung verändert
und unser Blatt hat sich allmählich gewendet.

Nachts sind die Sterne, als könnte man sie pflücken,
mit dem kleinen Finger ihre Laufbahn verrücken.
Einer fand’s chaotisch und wollte korrigieren
und dachte nicht daran, dass wir danach navigieren.
Doch wie sollten wir uns jetzt orientieren?
Wir trieben ab nach Norden und drohten zu erfrieren,
wir steuerten dagegen, begannen wohl im Kreis zu fahren,
tranken Tau um Wasser zu sparen.

Viele Tage lang irrten wir durch zähes Blau,
kamen nicht voran, denn die Winde waren lau
und durch die Ritzen der Planken
drangen die Tropfen bis in unsre Gedanken.
Und plötzlich war das Meer kein Wasser mehr,
begann sich zu verhärten wie erkaltender Teer.
Leute, dieser gottverdammte Kahn hat sich entgültig festgefahren!
Auf einer Sandbank in der Mitte einer uferlosen Platte,
unter stehenden Wolken aus heißer Luft und Watte.

Ich schreibe an die Möwen, Küsten zu verkünden.
Ich schreibe an die Inseln, Hoffnung zu entzünden.
Ich schreibe an die Winde, uns den Weg zu sagen.
Ich schreibe an die Brandung, uns nach Hause zu tragen.

Stumpfer Stift

Der Stift ist stumpf geworden und es füllen sich die Zeilen
und ich sitz schon viele Jahre hier nur um an ihnen zu feilen.
Von diesem Fenster überblick ich diese Straße.
Es hat geregnet und die Luft trägt keine Abgase.
Es wirkt so friedlich und man kann sich nicht beschweren
und außerdem liegt mir das fern.
Alles nimmt seinen Lauf und das Grün der Bäume kommt und geht
und man hat doch alles, doch irgendetwas fehlt.
Ist es das Wert danach zu suchen immer, immer weiter?
Laufen, kriechen, rennen, dabei, dein Leben zu verpennen,
Kopfgeburtenringkampf gegen Bauchentscheidungen,
zu nichts entschlossen, kein Verlust und kein Gewinn.
Und Deine Häuser zu Ruinen verfallen,
waren sie doch irgendwann die schönsten von allen.
Ihre einst so stolzen Dächer tragen tiefe Wunden,
ihre Gärten leer und heimgesucht von wilden Hunden.

Der Stift ist stumpf geworden und es füllt sich der Kalender,
doch die Zeit sie tickt und die Tage werden länger.
Wie Wunden die wir haben, von den Rändern her vernarben.
Sie heilen endlich, unser Klagen wird verständlich.
Lohn für all die Mühen doch noch ausbezahlt,
die vielen leeren Leinwände endlich ausgemalt.
Damit bannen wir die Bilder, die schon Jahre spuken
und gewinnen sie, doch ein Teil wird verbluten.
Ist es das Wert, es aufzuwischen und es auszuwinden,
es auszufrischen, aufzutischen und neu zu erfinden?
Wird neuer Wein in alten Schläuchen uns den Kopf verdrehen?
Haben wir das Wichtigste übersehen?
Anstatt darauf zu starren, darüber hinauszugehen.
Folgen wir Phantomen und können nicht verstehen,
denken, dass wir wachsen, doch fressen unsere eigenen Glieder,
schwören es zu lassen, doch tun es wieder.

Der Stift ist stumpf geworden und die Sehnen können heilen,
sie sind zerrissen unter Schmerzen um sich mitzuteilen.
Sie sagen, dass sie aus Gewebe seien und nicht aus Seilen,
sagen, du musst aufhören, dich ständig zu beeilen.
Muss erst alles bersten, bis sich die Schönheit offenbart?
Muss erst Frösche regnen, bis der Himmel klart?
Von diesem Fenster überblick ich fast die ganze Stadt,
du bist nur noch selten hier und haust wohl bald für immer ab.
Für mich war Zuhaus immer dort, wo dein Waschbeutel hing in meinem Badezimmer.
In einer grünen Kugel über Kontinente flogen,
so haben wir alles gesehen, von da ganz weit oben.
Kein Besitz und keine Sorgen, die uns runterzogen,
nur die Welt und wir und der Wind und die Wogen,
die uns irgendwann weit auseinander trieben,
nacheinander greifen, uns nicht mehr zu fassen kriegen.

Tenochtitlan

Die Sterne leuchten hell über feinem Wüstensand,
auf einem Planeten, den der Adler mit der Schlange im Mund erfand,
um sich zu freuen an seiner eigenen Pracht.
Er hat Berge, Flüsse und den Ozean gemacht.
Er hat dir die Freude und die Traurigkeit gebracht.
Er hat in dir ein hell loderndes Feuer entfacht.
Gib nur Acht, gib nur Acht, dass es nicht aufhört zu brennen:
„Fremde Männer am Horizont, um diese Stadt einzunehmen!“
Du hast sie mit den Brüdern in Lagunensumpf gebaut
und fest auf ihre Uneinnehmbarkeit vertraut,
doch bevor die weißen Monster auf Drachen zu sehen sind
trägt schon der Wind das Gift ins Haus und raubt dir dein Kind.
Was tust du nun, Sohn der Sonne, Zentrum des Universums?
Stoß den Pfeil in die Kröte, bemal das Gesicht und dann töte
diese Bestien, die auf fliegenden Inseln kamen übers Meer,
auf dass sie niemals, niemals zurückkehren.

Im Zentrum des Universums scheint die Sonne nicht.
Stoß den Pfeil in den Frosch und bemal dir das Gesicht!

Die Sterne leuchten hell über fetten Lehmböden,
über schroffen Felsketten, endlosen Einöden.
Die Wolken ziehen sich lautlos über Fabriken und Geisterstädte,
über die Türme der Metropolen und die Gräber von Millionen,
die für die Schatzkammern der Herren die Federn ließen
und alles geben, um in Tenochtitlan zu leben,
sich wie Maulwurfarmeen durch die Metroschächte plagen,
lebendig begraben, wie Guanajuatos Sklaven.
Verstehst du, was ich sage, dir zu berichten habe?
Alles fließt im Kreis, auch die Geschichte, wie du weißt.
Und so kehrt alles wieder, denn dich hat’s nicht interessiert.
Dein großer Geist war zu sehr auf anderes fokussiert.
Gelebt, um einzukaufen, ein Ziel verfolgt, um wegzulaufen,
so viele Jahre verschwendet und das hat auch dich verändert.
Was nun, Sohn der Sonne, Zentrum des Universums?
Stoß den Pfeil in das Gift und bemal dir das Gesicht!

Mit der Farbe, die bedeutet, dass der Krieg begonnen hat.
Und nicht gestern oder heute, nein, er tobt hier schon immer,
hat sich eingeschlichen ins Unterbewusstsein und noch schlimmer,
er regiert das Miteinander und zerbricht unsere Verbindung.
Ich kann dich kaum noch sehen, deine Sprache nicht verstehen,
ganz als ob wir an dem Virus alle kaputtgehen.
Ich mochte dich so gerne, doch jetzt spür ich nur noch Ferne
und das Vergessen einer Welt, die für uns nichts mehr enthält
und den Mangel an Substanz durch Schnickschnack kompensiert
und damit produktiv wird und sich selbst perpetuiert
und sich alles einverleibt, was da lebt und strebt,
gleichschaltet und verstümmelt, was für sich alleine steht.
Wie einst die große Stadt, die jetzt im Sumpf langsam untergeht,
während der Emissionenwind über leere Plätze weht.
Im Zentrum des Universums Scheint die Sonne nicht.
Stoß den Pfeil in den Frosch und bemal dir das Gesicht!

Die Welt brennt

Wir fliegen durch die Nacht und rauben heimlich eure Schätze
und streuen Treibsand auf eure Straßen und Plätze.
Wir legen diese Metropole in einen tiefen Schlaf
und entfesseln das Raubtier im Schaf.
Das Lamm wird geschoren und zur Schlachtbank geführt
und dort bekommt es das, was ihm gebührt.
Sein warmes Blut tränkt die trockene, trockene Welt.
Es hat umsonst gelebt, denn immer noch zählt nur das Geld.
Sein Fleisch wird gefressen, seine Haut wird angezogen,
doch sein Wort ist verloren und sein Erbe verlogen.
In seinem Geist wird sein Ungeist vollzogen.
Wir selbst haben uns dazu bewogen.
Wir sind auf der Jagd nach etwas Unbekanntem,
nach Begrifflosigkeit und völlig Unbenanntem,
nach dem Urzustand, wie wir ihn niemals kannten,
nach dem großen Glück, nach unseren Artverwandten.

Wir fliegen durch die Nacht, an unsichtbaren Seilen
und bringen euch die Nachricht, nicht länger zu verweilen.
Die Welt brennt, die Welt brennt
und mit ihr jeder, der sich nicht selbst versenkt.

Ihr sollt losrennen, aufschreien, aufbrausen,
einreißen, umbiegen und alles von euch werfen,
diesen Ohnmachtszustand nicht länger hinnehmen,
an den Fundamenten rütteln,
alles muss sich bewegen!

Wir fliegen durch die Nacht, denn alles muss sich ändern
und führen eine Sintflut über Städte und Länder.
Wir fliegen durch die Finsternis, wir kommen still und leise
und ziehen durch das Alte eine Trümmerschneise.
Alles, was nicht taugt, müssen wir verlieren,
alles nicht Gewachsene wieder dekonstruieren.
Wir sind der Aufstand der Nativisten,
der Götzendienst der Ur-Antichristen.
Stellt euch den Alarm auf Mitternacht.
Dann wird die Metamorphose vollbracht.
Kommt raus an den Waldrand mit rotem Quadrat,
jeder, der zu glauben vermag.
Heftet es an die Brust, dort, wo kein Herz mehr pocht.
Der erste Sonnenstrahl, Mutter Erde kocht.
Eine Schar untoter Flughunde kündigt ihn an:
Meine Damen und Herren, im Programm folgt jetzt der Weltuntergang.

Der Steinbock

Ich steh auf einem Berg, ich seh auf einmal klar.
Das, was ich seh’ ist mir die größte Qual.
Da unten fließen Bäche in’s Tal,
doch sie führen Schaum und das Wasser ist braun.
Ich kann’s nicht glauben, hier wohnen doch keine Leute.
Gäb’ es wilde Tiere, ich wäre ihre Beute.
Ich näher’ mich dem Fluss, der Dunst verletzt die Häute,
das Wasser ist alle, wo ich doch trinken wollte.
Es ist offensichtlich, das Bächlein ist vergiftet,
die ganze Flora und Fauna vernichtet,
kein lebendes Fischlein gesichtet.
Was für ein Skandal, keiner hat’s berichtet.
Es muss wohl irgendwie einfach passiert sein.
Ein Fässlein Altöl muss explodiert sein.
Ein Kastor Atomschrott proliferiert sein.
Eine Düngerfabrik ins Wasser emittiert sein.

Nein, ich weiß, was es ist, ein Verbrecher am Werke ist,
die Ressourcen nicht schont, die Wasserqualität vergisst.
Er wohnt in den Klippen, geht öfter einen kippen,
es ist der alte Steinbock, er hat’s verbockt.
Doch Steinböcke dürfen das, sie sind ja Natur,
nach ihnen tickt die ökologische Uhr,
außerdem erfinden die niedlichen Tiere
keine hochgiftigen chemischen Geschmiere.
Sie bauen keine Straßen und auch keine Schienen.
Ich weiß, ich lauf Gefahr, hier Klischees zu bedienen,
doch Leute, nehmt euch an den Tieren ein Beispiel,
denn aus wenig machen sie viel.
Die Seeschwalbe fliegt zwölftausend Kilometer,
das Ganze ohne Gepäck und Tachometer.
Ist sie an den Naturgesetzen daher ein Verräter?
Ich erklär es dir später, erst kommt das Solo vom Trompeter

Doch zurück zum Steinbock und seinen Exkrementen.
In Wirklichkeit würd’ er seinen Fluss niemals verpfänden
und Konzessionen vergeben an Mienenkonzerne.
„All ihr Schürfer und Glücksritter, habt mich doch bitte gerne!
Das Gold wollt ihr mir nehmen, das Quecksilber lassen,
für dieses „Geschäft“ einen Vertrag verfassen?
Tunkt mich unter Drogen in Farblachen,
mit mir unterschreiben, den Diebstahl gültig machen?
Habt ihr geglaubt, ich fall darauf rein?
Ich bin ein Sternzeichentier, nicht irgendein armes Schwein!
Ich kack auf den Vertrag und piss an dein Bein!
Leck mich am Arsch, ich geh jetzt heim!“